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Skill Evolution im Vergleich: Wie Nous Research (Hermes Agent) und Google (WikiSkills) das Gedächtnis autonomer Agenten transformieren

In unserer Beitragsreihe zur Realisierung souveräner Unternehmens-KI haben wir schrittweise die Architektur moderner Agentensysteme beleuchtet: vom standardisierten Open-Source Agentic AI Tech Stack über das mathematisch fundierte sitzungsübergreifende Langzeitgedächtnis via Mem0, die kollaborative Interaktionsschicht via Open WebUI, das hochperformante Routing via LiteLLM bis zur Enterprise Identity Governance via Keycloak. Bereits in unseren frühen Experimenten zu lokalen KI-Agenten und zustandsloser Inferenz wurde jedoch eine fundamentale Wahrheit deutlich: Ein Modell ohne kontinuierliche Wissensevolution verharrt auf dem Stand seines Trainingsdaten-Snapshots.

Während einfache Chatbots rein deklarative Fakten konsumieren, müssen autonome Industrie- und Entwicklungsagenten komplexe, mehrstufige Handlungsroutinen beherrschen – sogenannte Agent Skills. Doch wie lernen Agenten neue Fertigkeiten, wie optimieren sie bestehende Werkzeuge und wie verhindern sie, dass sie bei Fehlern in teure Sackgassen laufen?

Genau an dieser Schnittstelle prallen derzeit zwei wegweisende, aber grundverschiedene Philosophien aufeinander:

  1. Der pragmatische Runtime-Ansatz: Die standardmäßig im Hermes Agent von Nous Research implementierte Skill-Evolution via In-Session-Synthese, /learn-Befehl und dem intelligenten Hintergrund-Curator, den wir in unserer Tiefenanalyse des Hermes Agent vorgestellt haben.
  2. Der rigorose Wissens-Kompilierungsansatz: Die von Google Research & Virginia Tech publizierte WikiSkill-Architektur (Tang et al., August 2026, arXiv:2608.27454) – ein formales wissenschaftliches Forschungsmuster (kein proprietärer Google-Dienst), dessen mathematische Grundlagen und Anti-Amnesie-Konzepte wir in unserer Untersuchung zur persistenten Wissensevolution analysiert haben.

Dieser Beitrag stellt beide Paradigmen in einen direkten softwaretechnischen Vergleich: Wo liegen die Stärken und Schwächen? Wie gehen beide Systeme mit Fehlern um? Und wie sieht eine praxistaugliche Enterprise-Synthese aus?

Skill Evolution im Vergleich: Dr. Georg Hackenberg analysiert die modulare Runtime-Kuratierung des Hermes Agent und das kristalline Wissensarchiv von Google WikiSkills

1. Das Kernproblem: Warum statische Skills nicht ausreichen

Um den Entwurfsraum beider Frameworks zu verstehen, müssen wir uns vor Augen führen, warum klassische Methoden der Modell- und Prompt-Adaption für prozedurale Fähigkeiten versagen.

Traditionell stehen Software-Ingenieuren drei Anpassungsmechanismen zur Verfügung:

  1. Parametrisches Feintuning (SFT / RL): Das permanente Einschreiben von Tool-Aufrufen in die Gewichte des neuronalen Netzes führt regelmäßig zu Catastrophic Forgetting, verwässert das allgemeine Reasoning des Modells und ist bei wöchentlich wechselnden Schnittstellen-Verträgen ökonomisch untragbar.
  2. In-Context Few-Shot Prompting: Das dynamische Injizieren vergangener Ausführungsspuren (Traces) in den System-Prompt führt zu quadratischem Token-Wachstum O(T2L)\mathcal{O}(T^2 \cdot L), bricht den Inferenz-Prefix-Cache (KV-Cache) und leidet unter dem Lost-in-the-Middle-Phänomen.
  3. Dateisystembasierte Agent Skills (SKILL.md): Die Kapselung von Handlungsanweisungen, Parametern, Bash-Routinen und Validierungsregeln in modularen Markdown-Dokumenten nach Standards wie agentskills.io hat sich als dominierender Industriestandard durchgesetzt.

Doch auch dateibasierte Skills lösen das Evolutionsproblem nicht von selbst:

Das Dilemma automatisierter Skill-Evolution: Manuelle Entwicklung vs. naive Selbstmodifikation

Hier setzen die beiden Denkschulen an:

  • Hermes Agent fragt: „Wie kann ein langlebiger Agent im kontinuierlichen Produktivbetrieb nützliche Skills im Dialog aufschnappen, strukturieren und seinen Arbeitsbereich sauber halten, ohne den Anwender mit Administrationsaufwand zu belasten?“
  • Google WikiSkill fragt: „Wie können wir den Optimierungsprozess mathematisch formalisieren, Schichten-Konflation auflösen und garantieren, dass kein einziger gescheiterter Versuch jemals vergessen wird?“

2. Die Skill Evolution im Hermes Agent (Nous Research)

Die von Nous Research entwickelte Architektur des Hermes Agent zeichnet sich durch ihre radikale Body-Brain-Entkopplung und ihren Fokus auf reale, interaktive Multi-Surface-Umgebungen aus.

Architektur- und Paradigmenvergleich zwischen Hermes Agent und Google WikiSkills

A. Dateibasierte Kapselung nach agentskills.io

Im Hermes Agent sind Fähigkeiten nicht im Code vergraben, sondern liegen als lesbare Verzeichnisse unter ~/.hermes/skills/. Jedes Verzeichnis enthält eine kanonische SKILL.md mit YAML-Frontmatter:

name: industrial-plc-modbus-diag
description: Diagnose und Registerabfrage für Modbus-TCP SPS-Steuerungen
version: 1.1.0
metadata:
  hermes:
    tags: [ot, modbus, industrial-systems]
    category: operations
    requires_toolsets: [terminal]

Um den KV-Cache und das Kontextfenster zu schonen, folgt das System dem Progressive-Disclosure-Prinzip:

  • Level 0 (Discovery): Im System-Prompt liegt nur ein kompakter JSON-Katalog aller Skill-Namen und Kurzbeschreibungen (<60< 60 Zeichen).
  • Level 1 (Aktivierung): Erst wenn der Agent eine Aufgabe löst, die den Skill erfordert (oder der Anwender /industrial-plc-modbus-diag aufruft), wird der vollständige Inhalt geladen.
  • Level 2 (Deep Dive): Untergeordnete Skripte (scripts/) oder Schnittstellenschemata (references/) werden nur bei konkretem Bedarf nachgeladen.

B. In-Session Evolution und der /learn-Befehl

Der Hermes Agent kann Fertigkeiten auf zwei Wegen erlernen und verfeinern:

  1. Autonome In-Session Synthese: Bewältigt der Agent eine komplexe Aufgabe über eine Abfolge von Werkzeugaufrufen und Zwischenreflexionen erfolgreich, kann er eigenständig hermes skill create <name> aufrufen und die erprobte Sequenz als neue SKILL.md persistieren.
  2. Kompilierung via /learn: Über den interaktiven Slash-Befehl /learn übergibt der Anwender unstrukturierte Quellen (z. B. ein Verzeichnis mit Python-Skripten, API-Swagger-Dateien, PDF-Handbücher oder Support-Notizen). Der Agent analysiert das Material, extrahiert standardisierte Vorbedingungen, Schritt-für-Schritt-Prozeduren und Fehlerbehandlungsroutinen und legt einen sauberen Skill an.

C. Der Hintergrund-Curator: Lebenszyklus & Anti-Sprawl

Das herausragende Merkmal der Standard-Implementierung ist der Curator. Ohne aktives Housekeeping würde ein autonomer Agent nach einigen Wochen an Hunderten redundanter oder veralteter Skills ersticken (Skill Sprawl).

Der Curator operiert als intelligenter Inaktivitäts-Pass:

  • Bedingte Ausführung: Er läuft nur, wenn das Intervall (interval_hours: 168, d. h. wöchentlich) abgelaufen ist und das Gesamtsystem seit mindestens zwei Stunden ungenutzt im Leerlauf verweilt (min_idle_hours: 2). Er blockiert niemals die interaktive Arbeit des Benutzers.
  • Deterministisches Lifecycle-Pruning (Kostenfrei): Anhand von Metadaten überwacht das System den Nutzungszähler (use_count) und den letzten Zugriffszeitstempel:
    • Keine Nutzung in 30 Tagen \longrightarrow Status wird auf stale gesetzt.
    • Keine Nutzung in 90 Tagen \longrightarrow Skill wird automatisch in ~/.hermes/skills/.archive/ verschoben.
  • Human-in-the-Loop Sicherungsnetz: Kritische Kernfähigkeiten können vom Benutzer oder Administrator über hermes curator pin <name> dauerhaft geschützt werden. Gepinnte Skills werden niemals automatisch archiviert, bleiben für den Agenten jedoch les- und editierbar.
  • LLM-gestützte Dach-Konsolidierung (Umbrella Merging): Erkennt der Curator semantisch überlappende Einzelfähigkeiten (z. B. s7-read, s7-write und s7-alarm), verschmilzt ein Hintergrund-LLM diese zu einem modularen Dach-Skill siemens-s7-operations und führt ein transaktionales Rollback-Ledger (hermes curator rollback).

Für experimentelle Forschungszwecke stellt Nous Research ergänzend das Repository hermes-agent-self-evolution bereit, das Skills über Offline-Trajektorien via DSPy (ein Framework zur algorithmischen Optimierung von LLM-Prompts) und genetische Prompt-Optimierung (GEPAGenetic Evolutionary Prompt Adaptation) gegen Test-Rubriken verfeinert.

3. Der Google WikiSkills-Ansatz (arXiv:2608.27454)

Während der Hermes Agent als pragmatischer Begleiter für den Live-Betrieb konzipiert ist, nähert sich das Autorenteam um Tang et al. (Google Research & Virginia Tech) dem Problem aus der Perspektive der formalen Fehlertoleranz und empirischen Optimierungstheorie.

A. Das Phänomen der „Optimization Amnesia“

Bisherige automatische Skill-Evolutions-Frameworks (wie Trace2Skill, EvoSkill oder SkillOpt) evaluieren Skill-Modifikationen SkS'_k auf einem Validierungsdatensatz Dval\mathcal{D}_{\text{val}}. Verbessert der Patch die Erfolgsquote R(Tval)\mathcal{R}(\mathcal{T}_{\text{val}}), wird er übernommen; verschlechtert er sie, greift das Validation Gating und löst einen Rollback auf Sk1S_{k-1} aus:

ak={Accepted,falls R(Tval,k)>RbestRejected,andernfallsa_k = \begin{cases} \text{Accepted}, & \text{falls } \mathcal{R}(\mathcal{T}_{\text{val}, k}) > \mathcal{R}_{\text{best}} \\ \text{Rejected}, & \text{andernfalls} \end{cases}

Die verheerende Nebenwirkung klassischer Systeme: Mit dem Rollback des Skills wird auch die gesamte Fehleranalyse des gescheiterten Versuchs gelöscht! Das System verfällt in Optimization Amnesia. In späteren Runden schlagen nachgelagerte Optimierer dieselben fehlerhaften Modifikationen erneut vor, da sie kein Gedächtnis über vergangene Misserfolge besitzen.

B. Die Drei-Schichten-Architektur (Three-Layer Knowledge Architecture)

Inspiriert von Andrej Karpathys Konzept des LLM Wiki entkoppelt WikiSkill rohe Ausführungserfahrungen, kumulatives Wissen und ausführbare Fertigkeiten in drei streng getrennte Ebenen:

Die Drei-Schichten-Architektur von WikiSkill

C. Der koordinierte 4-Agenten-Zyklus

Jede Evolutionsrunde kk durchläuft vier spezialisierte Rollen:

  1. Inference Agent (π\pi): Führt Trainingsaufgaben aus. Wesentliche architektonische Randbedingung: Der Inferenz-Agent hat keinen Zugriff auf die Wiki-Ebene! Die Ablationsstudien der Autoren belegen: Hätte der Inferenz-Agent Lesezugriff auf das Wiki, würde er Ad-hoc-Workarounds direkt aus dem Wiki anwenden. Dadurch entstünden unvollständige Traces, und der Optimierer erhielte kein klares Signal, welche Regeln zwingend in den kanonischen Skill (SKILL.md) gehören.
  2. Wiki Maintainer (MWM\mathcal{M}_{\text{WM}}): Analysiert eine geschichtete Stichprobe aus erfolgreichen und fehlgeschlagenen Traces, isoliert Kausalursachen und aktualisiert die Markdown-Muster unter wiki/patterns/.
  3. Skill Proposer (MP\mathcal{M}_{\text{P}}): Ein ReAct-Agent, der auf Basis des Wikis und des historischen Prüfpfads (skill-impact.md) gezielt atomare Skill-Patches formuliert. Da er den gesamten Misserfolgs-Katalog kennt, wiederholt er keine historischen Fehler.
  4. Validation Gating & Rollback Harness: Evaluiert die neuen Skills SkS'_k. Sinkt der Score, rollt das Harness die Datei SKILL.md zurück – hängt die Diff und die Fehlersymptome jedoch unlöschbar an wiki/skill-impact.md an.

4. Direkter Systemvergleich: Gegenüberstellung beider Paradigmen

Die folgende Matrix stellt die beiden Systeme über alle ingenieurtechnisch relevanten Dimensionen gegenüber:

VergleichsdimensionHermes Agent (Nous Research)Google WikiSkills (arXiv:2608.27454)
Primäres EntwurfszielLanglebiger Produktivbegleiter & 24/7-ServerlaufzeitFormale, automatisierte Offline-Skill-Optimierung
Architektur-Schichten2 Ebenen: Aktive Skills (skills/) + Archiv (.archive/)3 Schichten: raw/ (Traces), wiki/ (Wissen), skills/ (Prozedur)
Evolutions-TriggerEreignisgesteuert (/learn), Inaktivitäts-Pass (Curator)Formaler, iterativer 4-Agenten-Trainingsloop
Amnesie-Präventionpin-Befehl, Archivierung statt Löschung, Git-CommitsStrukturelles Rollback-Verbot für die Wiki-Ebene
Dokumentation von NegativwissenImplizit im Session-Verlauf & FTS5-TranskriptspeicherExplizit & maschinenlesbar in wiki/skill-impact.md
Token-Ökonomie zur LaufzeitProgressive Disclosure (Level 0 Index im Prompt \to Level 1/2 Detail bei Abruf)Vollständige Prompt-Injektion aller aktiven Skills
KV-Cache-SchutzFrozen Snapshots (MEMORY.md & USER.md bleiben konstant)Keine spezifische KV-Cache-Optimierung im Trajektorien-Loop
Human-in-the-LoopVoll integriert (CLI, Telegram, Discord, Pinning, Chat)Vollautomatisch (Test-Harness mit Ground-Truth-Metrik)
Typische Performance-GewinneKontinuierliche Bereinigung, verhindert Token-ExplosionMonotone Zuwächse: Bis zu +12 % Gemini, +40 % SpreadSheet
RessourcenaufwandMinimal (läuft lokal, Pruning ist deterministisch & kostenlos)Hoch (Multi-Turn Re-Evaluierung vieler Trainingsaufgaben)

Detaillierte Analyse der Differenzen

1. Runtime-Pragmatismus vs. Formale Validierung

Der Hermes Agent ist darauf optimiert, jetzt mit dem Entwickler zu arbeiten. Wenn ein Ingenieur dem Agenten sagt: „Nutze für unsere Siemens-SPS ab jetzt immer den DB10-Block für Alarme“, verarbeitet der Agent dies via /learn oder speichert es in MEMORY.md. Ein formaler Validierungsdatensatz existiert im Firmenalltag selten.

WikiSkill hingegen verlangt eine formal definierte Testsuite mit Ground-Truth-Labels. Wo diese existiert (wie in standardisierten Datenanalyse-, Mathe- oder API-Workflows), erzielt WikiSkill dramatische Leistungssteigerungen, die kein einfacher Chat-Agent durch Ad-hoc-Prompting erreichen kann:

  • Gemini-3.5-Flash auf LiveMath: Sprung von 33.0 % auf 72.6 % (+39.6 Punkte).
  • Gemini-3.5-Flash auf SpreadSheetBench: Steigerung von 50.5 % auf 76.6 % (+26.1 Punkte).
  • Qwen-3.6-27B auf SpreadSheetBench: Steigerung von 28.5 % auf 69.4 % (+40.9 Punkte).

2. Der Umgang mit Negativwissen (Negative Experience)

Hier liegt die fundamentale softwaretechnische Überlegenheit von WikiSkill: Wenn der Hermes Curator zwei Skills zusammenführt oder ein Benutzer einen Skill manuell anpasst, gibt es keine maschinenlesbare Historie darüber, welche Codezeile zu welchem API-Timeout geführt hat. Scheitert ein Versuch im Hermes Agent, wird die Datei geändert – der Grund für das Scheitern verbleibt allenfalls als unstrukturierter Text in den SQLite-FTS5-Transkripten.

WikiSkill trennt die prozedurale Handlungsanweisung (skills/) strikt vom diagnostischen Verständnis (wiki/patterns/) und dem Prüfpfad (wiki/skill-impact.md). Selbst wenn ein vorgeschlagener Skill-Patch krachend scheitert, geht die Lektion nicht verloren: Das Wiki wächst kumulativ, und der Skill Proposer lernt, welche Bibliotheksaufrufe inkompatibel sind.

3. Token-Ökonomie und Prompt-Architektur

Hier wiederum brilliert der Hermes Agent: WikiSkill injiziert in seinen Experimenten alle aktiven Skills vollständig in den Prompt des Inferenz-Agenten. Bei 10 oder 20 komplexen Skills explodiert der Token-Verbrauch vor jedem einzelnen Schritt.

Hermes Agent beweist mit dem agentskills.io-Standard, dass echte Enterprise-Skalierung nur über Progressive Disclosure funktioniert: Solange ein Skill nicht aktiv adressiert wird, konsumiert er lediglich eine einzige Zeile im Level-0-Katalog (~30 Tokens).

5. Die Synthese-Architektur: „WikiCurator“ für souveräne Enterprise-Agenten

Für anspruchsvolle Unternehmensplattformen sollten Architekten die beiden Ansätze nicht als Konkurrenten betrachten, sondern als zwei Seiten derselben Medaille.

In unserem Referenzmodell des standardisierten Open-Source Agentic AI Tech Stacks lässt sich aus beiden Konzepten eine überlegene hybride Architektur formen: Der „WikiCurator“.

Die hybride Referenzarchitektur WikiCurator: Hermes Agent Runtime erweitert um den persistenten WikiSkill-Audit-Layer

Wie der WikiCurator im industriellen Betrieb arbeitet:

  1. Ausführungsschicht (Hermes Agent Body):

    • Der Agent agiert als leichtgewichtiger, robuster Host-Prozess mit Multi-Surface-Anbindung (Terminal, Open WebUI, Messenger).
    • Skills werden im Format agentskills.io mit dreistufigem Progressive Disclosure vorgehalten.
    • Bounded Context (MEMORY.md und USER.md) garantiert absolute Invarianz des System-Prompt-Prefixes für vLLM- und LiteLLM-KV-Caches.
  2. Diagnose- und Wissensschicht (Wiki-Ebene nach Tang et al.):

    • Jeder Ausführungs-Turn schreibt seine rohen Traces asynchron in ein lokales Append-Only-Verzeichnis ~/.hermes/raw/.
    • Der Hintergrund-Curator wird um das Wiki-Maintainer-Modul erweitert: Während der nächtlichen Inaktivitätsphasen durchforstet er fehlgeschlagene Werkzeugaufrufe und Tool-Timeouts.
    • Erkenntnisse werden in ~/.hermes/wiki/patterns/ konsolidiert.
  3. Gating & Anti-Amnesia Ledger:

    • Erstellt der Agent via /learn oder im Rahmen einer Konsolidierung neue Fähigkeiten, werden diese gegen eine hinterlegte Smoke-Test-Suite validiert.
    • Scheitert die Validierung, greift der Rollback des Skills – die Diff und der Trace-Report werden jedoch im Prüfpfad ~/.hermes/wiki/skill-impact.md dauerhaft verewigt.
    • Ergebnis: Null Amnesie bei maximaler Token- und Laufzeit-Effizienz!

Fazit: Die Evolution des Agenten-Gedächtnisses

Die Entwicklung autonomer KI-Agenten vollzieht derzeit denselben Reifeprozess, den die Softwaretechnik vor Jahrzehnten durchlief: von improvisierten Spaghetti-Skripten hin zu modularer Schichtenarchitektur, formalen Schnittstellenverträgen und lückenloser Versionskontrolle.

Die beiden hier analysierten Systeme markieren diesen Wendepunkt:

  1. Nous Research hat mit dem Hermes Agent das Fundament für alltagstaugliche, ressourcenschonende Agenten-Laufzeiten gelegt. Der Background Curator beweist, dass kontinuierliches Housekeeping essenziell ist, um autonome Systeme vor Selbstüberflutung zu schützen.
  2. Google Research hat mit WikiSkill das theoretische Fundament geliefert, um die verhängnisvolle Optimization Amnesia zu überwinden. Die Trennung von flüchtigen Traces, persistentem Diagnosewissen und ausführbaren Prozeduren ist das zukunftsweisende Paradigma für alle selbstoptimierenden Systeme.

Unternehmen, die heute souveräne KI-Agenten aufbauen, sollten weder auf die Laufzeit-Pragmatik des Hermes Agent noch auf die Wissensdisziplin von WikiSkill verzichten. Die Zukunft gehört der symbiotischen Verknüpfung beider Welten.

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